Sie sind hier: Start Aus den Medien Aus den Medien Leserbrief "Wo bleibt der Aufschrei?"

Drucken E-Mail

Leserbrief "Wo bleibt der Aufschrei?"

Mittwoch, 16. November 2011

Der folgende Leserbrief bezieht sich auf einen Artikel, der z.B. auf der Homepage der Rheiderland-Zeitung nachgelesen werden kann.

Die Veröffentlichung des Leserbriefes erfolgt mit ausdrücklicher Genehmigung des Verfassers.

BEZUG: Artikel „Angst vor dem Flughafen-Phantom“ vom 5. November

Ein Phantom ist es nicht, sondern harte Realität, die auf die Grafschaft zukommt, unweigerlich, es sei denn, es gibt noch ein Wunder. Die niederländischen Entwickler des Großprojekts Flughafen Twente meinen es ernst: Sie wollen nicht 13 Millionen Euro erfolglos in den Sand gesetzt haben. Und dafür nutzen sie alle Mittel, auch illegale.

Die für den Flughafenbetrieb notwendige Flughafenverordnung setzt eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) voraus, die die Umweltauswirkungen des geplanten Flugbetriebs auf die betroffene Region untersucht. Betroffene sollen dazu Stellung nehmen und ihre Belange vertreten können. Bekanntlich geht es um Fluglärm, Abgase, Chemikalien, Sicherheitsfragen und vieles mehr.

Nun kommt die Dreistigkeit: Man beschloss, die deutsche Seite sei nicht betroffen und folglich nicht zu beteiligen. Beteuerungen der niederländischen Entwicklungsgesellschaft ADT zufolge soll nämlich deutsches Gebiet vom Start- und Landeanflug von Flugzeugen, die den Flughafen Twente anfliegen, nicht berührt werden.

Diese Mär glauben aber noch nicht einmal die niederländischen Instanzen.

Wider besseres Wissen wurde die UVP nur in niederländischen Medien bekannt gemacht. Rechtswidrig wurde die deutsche Öffentlichkeit ausgespart und bekam keine Gelegenheit, zum Großprojekt der ADT Stellung zu nehmen. Obendrein versuchte man zu täuschen.

Die pressewirksamen Test-Anflüge mit einer Cessna Citation (GN am 1. September 2011) sind solch ein durchsichtiges Manöver: Gegenüber einer 50 Mal schwereren normalen Mittelstreckenmaschine Airbus A 330 ist sie ein Spielzeug. Ergebnisse wurden nicht bekannt, natürlich. Sie wären ja auch belanglos. Ob man will oder nicht, die deutsche Seite ist betroffen, und zwar schwer. Niederländische Flugroutenexperten bestätigen, dass sich der direkt hinter der Grenze gelegene Flughafen Twente ohne Flugrouten über deutsches Gebiet überhaupt nicht betreiben lässt. Das erkennt schon der Laie anhand der Landkarte. Wer heute in der Nähe eines Airports wohnt, weiß, was auf die Grafschaft zukommt:

Landeanflüge schwerer Verkehrs- und Frachtmaschinen kaum 600 Meter tief über dem Gebiet von Nordhorn bis Bentheim, bei Ostwind röhrende Starts mit voller Triebwerksleistung über unseren Gartenterrassen. Tagsüber, nachts und am Wochenende, für alle Zukunft. Wir und unsere Nachkommen werden das nie mehr los.

Die Folgen des Fluglärms sind für uns gravierend: Verlust an Lebensqualität, Abwertung von Fremdenverkehrs-, Erholungs- und Kureinrichtungen. Wertminderung der Wohngrundstücke, wie schon an Flughäfen andernorts. Das sind nur Beispiele.

Viele Grafschafter zahlen für den Airport Twente mit, haben keine Vorteile davon und wurden nicht gefragt. Wenige im Raum Enschede setzen auf Profit, die Zeche zahlen viele: Niederländische Nachbargemeinden und wir in der Grafschaft. Wo Geld regiert, zählt Nachbarschaft wenig. Einen zusätzlichen Flughafen brauchen wir aber nicht. FMO genügt. Wie reagieren deutsche Behörden? Wie man liest, verärgert, uninformiert und ratlos.

Wenig kämpferisch der Landkreis: Man will „versuchen“, die Lärmbelastung so gering wie möglich zu halten. Leider dann, wenn es zu spät ist, mit Verboten, an die sich niemand halten muss. Wer etwas nur „versuchen“ will, hat den Misserfolg bereits hingenommen. Es geht auch anders, nur: Sind wir bislang zu gutgläubig und zu träge? Wo bleibt der öffentliche Aufschrei? Die Grafschaft muss aufwachen.

Gottfried Ohly Zollhausweg 35 Nordhorn